Fußballerin Isabella Jaron aus Emstek über ihre Nominierung zum Tor des Monats, ihren Verein Carl Zeiss Jena und ihre Zukunft.
Til Bettenstaedt
Jena/Emstek Isabella Jarons Lieblingszahl? Eindeutig die 24. Am 24. Januar dieses Jahres feierte die Profifußballerin aus Emstek ihren 24. Geburtstag. Und wie zuvor beim SV Meppen und in Österreich beim SCR Altach trägt sie auch in dieser Saison das Trikot mit der Rückennummer 24.
In wenigen Tagen aber wird für die Offensivspielerin des Erstligisten Carl Zeiss Jena die Zahl 25 in den Vordergrund rücken. Denn am kommenden Samstag, dem 25. April, steht für Jaron und Jena in der 1. Bundesliga das enorm wichtige Kellerduell bei der SGS Essen an. Zudem endet an diesem Tag die Abstimmung zum Tor des Monats März. Und hier ist die gebürtige Cloppenburgerin dank ihres sensationellen Freistoßtreffers gegen RB Leipzig mit von der Partie.
Mit den OM-Medien spricht „Bella“ – so wird die 24-Jährige von fast allen genannt – über...
... das Tor gegen Leipzig: Quasi auf den letzten Drücker, am 27. März, sicherte sich Jaron einen Platz bei der Kultwahl zum Tor des Monats, die die ARD-Sportschau seit 1971 veranstaltet. In Jenas Partie gegen Leipzig lief bereits die 81. Minute, als Carl Zeiss beim Stand von 0:1 einen Freistoß rund 40 Meter vor dem RB-Gehäuse zugesprochen bekam. „In der Halbzeitpause haben wir darüber gesprochen, dass die Torhüterin oft weit vor ihrem Tor steht“, so Jaron.
Sie sah, dass die Keeperin auch beim Freistoß nicht gut positioniert war. „Ich habe kurz überlegt, ob ich mir das zutraue, es dann aber riskiert.“ Das sollte sich auszahlen. Der Ball schlug neben dem Pfosten ein – ein wahrer Geniestreich. „Ich habe natürlich Verwandte, Freunde und Bekannte mobilisiert, für mich abzustimmen. Aber es wird schwer, die Wahl zu gewinnen, denn Nationalspieler Florian Wirtz hat auch ein Traumtor erzielt.“
... den Abstiegskampf:
„Bella“ Jaron redet nicht um den heißen Brei herum: „Wir hatten uns in dieser Saison mehr erhofft.“ Mit nur 2 Siegen und insgesamt 11 Punkten aus 22 Partien ist Carl Zeiss vier Spieltage vor Saisonende ganz am Ende der Tabelle zu finden. Bei 4 Zählern Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz, den die HSV-Frauen belegen, darf das Team aber noch auf den Klassenerhalt hoffen.
„Am Wochenende kann eine Vorentscheidung fallen. Hamburg darf am Freitag nicht in Nürnberg gewinnen und wir müssen am Samstag beim Vorletzten SGS Essen unbedingt 3 Punkte holen.“ Ob die 5-fache Torschützin beim Abstiegskracher auflaufen kann, steht allerdings noch nicht fest: Jaron hat noch mit den Folgen einer Lebensmittelvergiftung zu kämpfen.
... ihr Verletzungspech: Im Vergleich zu ihren schweren Knieverletzungen sind die aktuellen Magen-Darm-Pro-bleme allerdings nicht der Rede wert. So hatte Isabella Jaron aufgrund zweier Operationen am linken Knie zwischen Sommer 2022 und Frühjahr 2024 nur zwei Bundesliga-Partien für den SV Meppen absolvieren können. „Erst habe ich mir einen Kreuzband- sowie Meniskusriss zugezogen, und knapp ein Jahr später musste ich noch mal operiert werden, weil die Narben nicht richtig verheilt waren.“
Während Jaron sich im Winter 2023/24 noch in der Reha befand, bekam sie ein Angebot vom österreichischen Erstligisten SCR Altach, sodass sie den SV Meppen nach sechseinhalb Jahren bei den Juniorinnen und Frauen verließ.
... das Jahr in Österreich:
In Altach legte die Offensivspielerin im Mai 2024 ein Traumdebüt hin: 2:1-Sieg und ein Jaron-Treffer im Derby gegen SPG Lustenau. In der Hinrunde der Saison 2024/25 erreichte die ehemalige Spielerin des BV Cloppenburg in Österreich dann ihr altes Leistungsniveau (5 Tore, 1 Assist) und wechselte in der Winterpause nach Jena. „Es war von Anfang an mein Ziel, nach Deutschland zurückzukehren und Österreich als Sprungbrett zu nutzen“, so Jaron.
... ihr Leben in Jena:![]()
In der Stadt in Thüringen fühlt sich die 24-Jährige, die im dritten Semester ein Fernstudium im Bereich Sportmanagement absolviert, wohl. „Ich lebe dort in einer WG mit meiner Mitspielerin Fiona Geißer, wir verstehen uns sehr gut.“ Jena sei eine kleine, aber feine Studi-Stadt: „Und bis zur Sportanlage ist es nicht weit.“
... ihre sportliche Zukunft:
Für die kommende Saison hat „Bella“ Jaron noch einen Vertrag bei Carl Zeiss Jena – mit einer Ausstiegsklausel. „Ich möchte auf jeden Fall weiter in der 1. Bundesliga spielen.“ Einige Anfragen seien bereits bei ihrem Berater eingegangen. Ist auch ein erneuter Wechsel ins Ausland eine Option? „Das plane ich in den nächsten 2, 3 Jahren eigentlich nicht. Irgendwann will ich aber mal in der englischen Women’s Super League spielen. Der Fußball und die Atmosphäre dort reizen mich sehr.“
Wer weiß, vielleicht kickt Isabella Jaron in ein paar Jahren noch einmal mit ihrer früheren Meppener Teamkollegin Vivien Endemann zusammen. Mit der Dinklagerin, die im Sommer vom VfL Wolfsburg zum FC Liverpool wechselt, hatte Jaron zu gemeinsamen SVM-Zeiten in einer WG gelebt.
Wer beim Tor des Monats für Isabella Jaron votieren möchte, kann online unter www1.sportschau.de/tdm/tdm an der Abstimmung teilnehmen.
Foto 1: In der laufenden Saison durfte Isabella Jaron bislang über fünf Bundesliga-Treffer jubeln. Hannes Anger.
Foto 2: Bei Carl Zeiss Jena läuft Isabella Jaron (l.) im zentralen offensiven Mittelfeld auf. Hannes Anger
Quelle: Münsterländische Tageszeitung